Warum Leidenschaft für den A*** ist

Entschuldige diese vielleicht etwas harsche Überschrift, aber ich habe das Gefühl hier mal etwas klarstellen zu müssen!!!

Wenn du auf Leidenschaft in deinem Leben wartest – lass es! Du machst einen großen Fehler!

Lass mich das kurz erklären. Vor einigen Tagen erhielt ich eine Email von einer jungen Frau, die ratlos war, denn sie wusste nicht, was sie als nächstes tun sollte – im Leben.

Sie hatte in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass – was auch immer – sie mit Leidenschaft begonnen hatte, sie nach einer Weile langweilte oder gar quälte (LEIDEN schaffte! HALLO!!!!).
Jetzt war sie frustriert und fragte sich, ob sie jemals etwas finden könnte, wofür ihr Herz brennt und was sie „erfüllte“. Mit diesem Anliegen kam sie zu mir.

An dieser Stelle: DANKE! Ich bin demütig und froh, dass ich das Vertrauen genieße, dass mich Menschen in solchen Situationen konsultieren und hoffen, ich könne ihnen helfen.

Vielleicht hilft meine Antwort ja auch dir.

Das war nicht das erste Mal, dass ich mit dieser Angst konfrontiert wurde – auch ich kenne diese Fragestellung und die Sehnsucht danach etwas zu finden, in dem ich „aufgehe“, in das ich mich „fallen lassen“ kann, was mich „antreibt“ usw. und so fort… doch das kann einem zum Verhängnis werden und einem eine menge Spaß im Leben rauben.

Leider wird uns heute suggeriert man müsse das beste aus seinem Leben machen – aus ALLEM eigentlich! Höher, schneller, weiter und das mit absoluter „Passion“ …. YOLO* eben!
Doch gleichzeitig erzählen uns Statistiken, Medien und vielleicht auch unser Umfeld ganz andere Geschichten: nämlich dass Depressionen zunehmen, die Unzufriedenheit steigt und wir im Gros relativ weit weg sind von leidenschaftlicher Lebenssinnerfüllung …

Mich wundert das gar nicht, denn wir sind so beschäftigt damit alles 100% zu machen, zu haben und zu wollen und zwar jetzt und sofort, dass wir 80% nicht mehr sehen und diesen Erfolg feiern.

Auf der Suche nach Leidenschaft vergessen wir zu leben.

Wir sind laufend unzufrieden, es geht immer noch besser und irgendwie ist nie Schluss. Wie schon Pareto (Paretoprinzip) feststellte, müssen wir viel weniger Aufwand betreiben um 80% zu erlangen, aber an den letzten 20% arbeiten wir uns dann dumm und dusselig – ohne dass der Unterschied signifikant größer ist! (Signifikant ist hier das Zauberwort – natürlich ist ein Unterschied da, aber eben nicht groß genug – meine ich – um sich dafür fertig zu machen – zu leiden!) Aber wir sind perfekt, wir wollen perfekt also suchen wir 100%. 100% Leidenschaft, 100% Hingabe, 100% Erfüllung usw. nur den Weg dahin wollen die wenigsten gehen.

Es ist wie es ist – ist häufig viel hilfreicher

Was wäre, wenn 80% voll ausreichend wären? Wenn du 292 Tage deines Lebens richtig SUPER finden würdest? Wäre das nicht schon genug?
Was wäre, wenn Leidenschaft nicht wichtig wäre? (Wer sagt das überhaupt und was bedeutet Leidenschaft eigentlich?)
Was wäre, wenn es ok wäre, wenn man morgens aufsteht und seine Kunden mal doof findet oder Arbeiten verrichten müsste, die einem zum Halse raushängen?

Was wäre wenn man sich dann sagen würde: Das gehört dazu, ist ok – es ist wie es ist und die Arbeit, die Kunden und xy ermöglicht mir aber, dass ich z.B. aufstehen kann wann ich möchte, zu Uhrzeiten arbeite, zu denen ich das möchte. Oder es ermöglicht mir Geld zu verdienen (um mal auf Basisbedürfnisse zurück zu kommen, die wir auch viel zu häufig als selbstverständlich annehmen).

Das sind vielleicht nicht die edelsten und YOLO-mäßigsten Gedanken, aber sie bringen einen auf den Boden der Tatsache zurück, nämlich dass Leben nicht immer Zuckerwattenweich-Einhornspränkler-Rosarot ist! Sollte es auch nicht – muss es auch nicht …. denn wir Menschen sind blöderweise so gebaut, dass wir auch dann etwas zu meckern hätten.

Das gefährliche an Leidenschaft (oder Erfüllungssuche oder Dingen in der Art)

Das gefährliche an Leidenschaft und ähnlichen „Konzepten“ von  „Was ich brauche“, um mein Leben zu genießen ist, dass es niemals von Dauer ist, wenn es überhaupt mal stattfindet. Das bedeutet, dass du den großen Teil deines Lebens damit beschäftigt bist etwas an einer gedachten „Leidenschaftslatte“ zu messen und die immer enttäuschst. Statt morgens aufzustehen und dich überraschen zu lassen und dich am Leben zu freuen.

Was also tun gegen Leidenschaftslosigkeit?

Du machst das was du machst gerade gerne? Dann tue es, ohne darüber nachzudenken, ob es sich überhaupt lohnt zu beginnen oder Geld bringt oder was ist, wenn es dich in 3 Monaten nicht mehr interessiert? – das sehen wir DANN!

Dich interessiert gerade nichts? Wunderbar!!!! – dann ist auch egal was du tust und du kannst sofort mit etwas beginnen – du solltest nur irgendetwas tun! Denn wenn du eh noch nicht weißt, was deine Leidenschaft ist, kannst du entweder leidenschaftslos auf der Couch vergammeln oder leidenschaftslos arbeiten gehen und Geld scheffeln bis du umfällst oder raus gehen und leidenschaftslos Hunde Gassi führen oder im Altenheim Menschen etwas vorlesen oder einfach ein Buch lesen. Das garantiert dir nicht, dass du leidenschaftlich wirst – aber wärst du ohne etwas zu tun sicher auch nicht. Also?

Irgendwann wird dir etwas vielleicht Freude machen – wenn auch nur für einen Moment – den hättest du auf der Couch aber ganz sicher nicht gehabt! Voila! Also schon einmal ein Moment mehr auf dem „Mein Leben ist schön“ Konto eingezahlt!

Wenn es leicht wäre, würde es jeder machen!

Das du etwas tust, was dich nervt, kann auch mal über Wochen und Monate so gehen! Weitermachen ist das, was Menschen mit Leidenschaft von anderen unterscheidet … sie machen weiter und wirken daher leidenschaftlich, bis sie es oftmals tatsächlich sind … nämlich leidenschaftliche NICHT-AUFGEBER und DAUERSUCHENDE.

Leidenschaft, oder das Konzept, welches wir davon haben ist völlig überbewertet. Mach einfach mal was völlig leidenschaftslos und bemerke wie viel Spaß das machen kann … So ein Tag im Freizeitpark zum Beispiel …

Das Leben ist zu kurz um auf Leidenschaft zu warten, also lebe, liebe, lache … so oft du kannst, so leidenschaftlich wie es eben gerade ist.

* YOLO =you only live once, eine Abkürzung die als Erinnerung dafür steht dass man nur einmal lebt und daher das Leben in vollen Zügen und bis zum Limit auskosten und ausleben sollte … naja und auch das mit dem NUR EINMAL weiß ja keiner so genau, also VORSICHT!